Montag, 3. Februar 2020

"Alexa spiel: Dornröschen war ein schönes Kind"


Das Singen spielt in unserem Haushalt, mehr oder weniger gewollt, eine sehr sehr große Rolle. Was soll schon dabei rumkommen, wenn zwei Erzieher (davon eine, in diesem Falle ich, als alte Kindergartentante) mit zwei Kleinkindern unter einem Dach leben?
Richtig hier wird gesungen, von allen, den ganzen Tag. Naja gut, … insbesondere von mir. Und was sing ich wohl so den ganzen Tag, wenn ich morgens schon mit so kleinen, niedlichen Menschen arbeite und weitere kleine niedliche Menschen (meine), dann noch nachmittags um mich habe?
Richtig: Kinderlieder. Den ganzen lieben langen Tag. Ich singe Kinderlieder beim Duschen, beim Autofahren (zu meinem Erschrecken auch wenn ich alleine fahre), beim Anschaukeln (also insbesondere beim Anschaukeln, weil das ohne Singen einfach echt langweilig ist), beim Abwaschen, beim Wickeln, beim Malen und … ach immer.
Man könnte behaupten, dass es total großartig für Kinder ist, wenn eine erwachsene Person immer Kinderlieder singt. …Ist es auch. Aber für eine andere erwachsene Person, die wie schon gesagt, erwachsen ist … und eben kein Kind…, ist es womöglich nicht ganz so toll. Folgendes Zitat mag diese Vermutung bestätigen: „Wenn du jetzt noch ein einziges Mal Rommel Bommel singst, dann dreh ich durch und hau ab!“ Es war ein schöner Sommertag und was soll ich sagen? Alles in mir schrie: LOOOOOOOOOOOS, sing es nochmal. Noch ein einziges Mal. Nur um zu gucken was passiert. Gott sei Dank entschied ich mich dagegen.
Diese Angewohnheit des Singens in der Kombination mit dem beruflichen Lieder-Repertoire macht es, dass die Kinder hier zu Hause so ziemlich alle Lieder kennen und können, die man so im Kindergarten singt…. Alle bis auf einige wenige. Nämlich jene Lieder, die ich hasse. Ja, sowas gibt es. Es sind Lieder, die nicht enden wollen. 50 Millionen Strophen. Da schläft man während des Singens ein. Da ist mein absoluter Hass-Favorit: „Dornröschen war ein schönes Kind“. Dicht gefolgt von „Pitsch, patsch Pinguin.“
Ich bin mir sicher, dass Erzieherinnen diese Lieder im Alltag einfach abkürzen. In Dornröschens Fall singen sie bestimmt, erst dass sie ein schönes Kind war und Schwups: Da feierten sie ein Hochzeitsfest. Der ganze Hokus Pokus in der Mitte wird bestimmt einfach weggelassen, denn wenn man da alle Strophen durchziehen will …. Ist der Vormittag vorüber.
Nun gut. Beide Lieder habe ich bewusst nie nie niemals gesungen, damit meine Kinder auch ja nie nie niemals von mir verlangen, dass ich diese Lieder für sie singe.
Aber wie sollte es anders sein?! Sie gehen in den Kindergarten und Schwups: eines Mittags erzählt die Tochter mir freudestrahlend, dass sie Dornröschen war und dann kam eine Fee und noch eine Fee und die Hecke und der Königssohn und wer nicht noch alles und am Ende feiern alle ein Hochzeitsfest. Und dann verlangte sie von mir, dass ich dieses Lied für sie /mit ihr singe. Das tat ich. Am Ende tanzten wir auf Grund des pompösen Hochzeitsfestes im Esszimmer herum.
Das ging dann 7 Mal so und dann war ihr Dornröschen-Hype vorerst gesättigt. Den kleinen Jungen hatte sie übrigens gekonnt angesteckt und immer, wenn das Lied beendet war und wir im Kreis da standen rief er: „Nochmal Röschen“. Jo. So war es.
Zu diesem Umstand kommt sehr erschwerend hinzu, dass ich zu Weihnachten eine Alexa geschenkt bekommen habe. Eine kleine, nur für mich, für die Küche. Irgendwie dachte ich es sei ganz nett mal Musik für Erwachsene zu hören. Die Kinder bekamen übrigens eine Toniebox.  
Eigentlich leicht zu verstehen: Alexa: meine Musik. Toniebox: Ihre Musik. Vor Weihnachten hatten wir sogar überlegt, ob man den Kindern auch direkt eine Alexa schenkt. Schließlich hatte das Mädchen schon bei der Oma so viel Spaß daran, ihre Musikwünsche in den Kasten zu sprechen. Wir entschieden uns jedoch aus verschiedenen Gründen dagegen. Tja. Hätten wir auch lassen können…. Also das „dagegen entscheiden“.
Nun haben wir nämlich folgenden Ist-Zustand in unserem Hause:
Im Wohnzimmer dudeln den ganzen Tag auf zwei unterschiedlichen Tonieboxen Kinderlieder gegeneinander an. Ich frag mich bis Heute, warum sie partout keinen Kanon schaffen. Na und, in der Küche spielt sich täglich folgendes Szenario ab:
Ich gehe hinein, sage so leise wie ich kann: „Alexa spiel …“ und Alexa spielt … ! Für 10 Sekunden. Dann steht da ein Kind. Welches spielt keine Rolle. Das Ziel ist das gleiche: Alexa dazu zwingen Kinderlieder zu spielen. Bei der Tochter funktioniert das ganz präzise. Bei dem Sohn ist das so zuckersüß, wie er sich gekonnt nach vorne beugt über den Lautsprecher, um dann völlig ungekonnt zu sagen: „Hexa, piel,…..“ Alexa versteht natürlich kein Wort und er wird lauter: „Hexaaaaa, piel….“ tja und weil Alexa immer noch nicht reagiert, wird er entweder wütend oder er macht mir deutlich, dass Alexa kaputt sein muss. Ich helfe dann meist und befehle Alexa dann bitte jenes Lied zu spielen, was der kleine Mann sich aussucht. Und ich muss sagen, … seine Auswahl ist stets sehr abwechslungsreich. Er wünscht sich immer wieder andere Lieder und da habe ich tatsächlich gar nichts gegen. Ist jedoch die kleine Dame am Drücker, sieht es für mich duster aus. Sie hört Lieder nämlich nur in Dauerschleife. Und mit Dauerschleife meine ich…. Sie hört ein Lied so oft nacheinander, dass eine Stunde vergeht. Ich tippe auf knappe 50 Mal. Das ist hart fürs Gemüt. INSBESONDERE WENN ES SICH (wie neulich Nachmittags) UM DORNRÖSCHEN HANDELT. Und auch wenn das Mädchen schließlich bei jedem einzelnen der 50 Hochzeitsfeste bei mir ankommt und hochmotiviert den Hochzeitstanz verlangt. Das ist hart. Und ich dachte schon es sei schlimm 50 Mal nacheinander als Pinguin vor dem Eisbären wegzurennen. Nein… Tanzen ist schlimmer. Den Jungen hatte es in diesem Dornröschen-Szenario übrigens noch schlechter getroffen, er musste schließlich nicht nur 50 Mal tanzen…. Nein …. Er musste vorher 50 Mal die Hecke mit einem imaginären Schwert (da bestand das Mädchen drauf) klitzeklein schlagen. Am Anfang hatte sie noch nach jedem Mal, wenn das Lied beendet war gesagt: „Alexa, spiel Dornröschen war ein schönes Kind!“ Irgendwann hatte sie jedoch herausgefunden, dass man einfach nur sagen muss: „Alexa, nochmal!“ Tja und das sagt man nur zweimal und was macht Alexa dann?! Richtig, sie denkt: "Da sind eh Verrückte am Werk"… und somit spielt sie das Lied einfach immer und immer und immer wieder, ohne erneute Aufforderung, bis sich endlich irgendwer erbarmt und schreit: ALEXA STOPP!


Mittwoch, 22. Januar 2020

Eine neue Jacke


Tatsachenbericht
Achtung die folgenden Szenen beschreiben ein und dasselbe Kind…Auch wenn man es nicht für möglich hält.
Szene 1:
Mein kleiner Junge hat, wie wohl alle Kinder, oder besser gesagt alle meine Kinder… (Ja, ich weiß, es sind nur zwei) …., ein Problem mit Kleidung. Naja, Problem kann man es nun auch nicht nennen. Er steht mit Kleidung auf Kriegsfuß. Mit all seiner Kleidung. Außer mit den Socken. Da ist es umgekehrt. Er steht also mit mir auf Kriegsfuß, wenn ich ihm seine Socken ausziehe. Lange Rede kurzer Sinn: Er mag am liebsten nackt (mit Socken) sein und wenn schon Kleidung, dann nur von ihm ausgewählte. Dabei wählt er je nach Müdigkeits- und Gemütsstand, besonders aber nach Stand der Sonne, oder des -Mondes, unterschiedlich aus. Heißt mit anderen Worten. Man kann nicht erahnen, was ihm in diesem Moment gefällt. Naja, außer Socken. Aber auch da gibt es Favoriten und absolute No-Gos.
Bei den Langarmshirts (da besteht er drauf), Pullover sind zu warm, … will er 3 Tage AUSSCHLIEßLICH das „Tatütata-Shirt“ anziehen und steckt in einer Sinneskrise, wenn besagtes Teil in der Wäsche ist. Am vierten Tag will ich ihm freudig sein Lieblingsteil anziehen und er beginnt empörend zu weinen. An Tag vier ist Tatütata eben nicht der Hit. Oft lasse ich ihn dann selbst auswählen, um Schreiattacken vorzubeugen. Das hat aber zur Folge, dass ich ihm an einem Morgen 4 verschiedene Shirts anziehe, bis er endlich sein Traumteil gefunden hat. Aber ich mache das. Ganz genügsam, wie man das eben so macht als Mutter.
So und nun kommen wir zu einem heiklen Punkt: Die Gewohnheit! Diese spielt bei dem kleinen Mann eine sehr große Rolle. Wenn er z.B. ein Paar Schuhe hat, dann hat er die! Für immer. So, seine Meinung. Gleiches Spiel gilt bei der Mütze, dem Schal oder der Jacke. DIE JACKE. Die Jacke des Grauens: Der Übergang von Herbst zu Winter, oder eher von Sommer zu Winter (Den Herbst über hat er sich noch mit seiner Sommerjacke durchgemogelt) stand an. Tja. Der kleine Mann sollte seine neue Jacke anziehen. Und das tat er…NICHT. So gar nicht. Er weinte, schrie, wehrte sich und ja… er übergab sich, weil er sich so aufregen musste. Der arme Kerl. Weiß gar nicht was er hat? Ich freu mich immer riesig über eine neue Jacke. Nun gut. Er nicht … und diese Jacke war für ihn ein rotes Tuch. Mehrere Tage probierte ich mein Glück. Es half nichts. Jedes Mal, wenn ich sie nur in der Hand hielt, schrie er sozusagen um sein Leben. Er mochte sie nicht. Da es aber bei um die 5 Grad zu kalt war für die Sommerjacke, eilte ich verzweifelt in einen Laden, um eine Herbstjacke zu besorgen, denn diese erschien mir zumindest etwas wärmer als eine Sommerjacke…. Beim nächsten Jackenanziehen hatte er zwei Jacken zur Auswahl und entschied sich, wenn auch unter Tränen, für die Herbstjacke. Von einer bekannten Mutter, die mit ihrem Sohn gleiches Schicksal teilt, erhielt ich schließlich den Tipp neue Dinge beim Abholen aus der KiTa anzuziehen. Da sei das Kind so abgelenkt und würde neue Teile eventuell so anziehen. Ha. Der Tipp war grandios, denn mit diesem einfachen Mittel, gewöhnte ich meinen Jungen so ganz nebenbei an die Winterjacke.
Jetzt ist diese Winterjacke sein „Ein und Alles“! Seine Macht der Gewohnheit. Sein sicherer Hafen. Naja, und die passende Mütze, die bei unserem jetzigen Winter viel zu warm ist, aber was solls. Er braucht sie halt… (Zum Schwitzen).
Tja und wie ich eben schon erwähnt habe…. Ist der Winter so überhaupt kein richtiger Winter und eigentlich eher ein Herbst und nun steht der Junge da mit dieser dicken Winterjacke und mich überkam die Idee schonmal eine neue Jacke zu besorgen, die etwas dünner ist. Eine Frühlingsjacke sozusagen. Ich hätte nun noch einige Wochen Zeit ihn behutsam darauf vorzubereiten. Und so kaufte ich ihm eine echt schöne, blaue, Jacke mit Dinosauriern drauf. Und hier beginnt
Szene 2:
Um den Jungen schonmal drauf vorzubereiten, dass er in weiter Zukunft eine andere Jacke tragen wird…. Habe ich die Jacke nach dem Kauf direkt auf dem Rücksitz liegen lassen, damit er sie gleich sieht, wenn er nach der KiTa ins Auto steigt. Was passiert? Nichts.
Also mache ich ihn nach kurzer Fahrt drauf aufmerksam, dass da eine neue Jacke für ihn liegt.
Er flippt aus vor Freude: „Haurier, Haurier, Haurier!“ Das ist ein gutes Zeichen. Zwar wusste ich bislang nicht, dass er auf Dinosaurier steht…. Aber damit liegt man bei Jungs ja eigentlich nie falsch, dachte ich so. Als nächstes: „Blau, blau, blau!“  Gleicher Satz wie zuvor, ersetze  "Dinosaurier"durch „blau“.
Tja und dann geht alles ganz schnell……zunächst nimmt er die Jacke auf den Schoß. Es scheint ein Glückstreffer zu sein. Plötzlich wirft er sie weg und beginnt zu weinen. „Aua, aua, aua. Da Kugel am Bauch!“ Er fasst sich an die Gurte und ruckelt, als würde ihn was stören. Er wird immer lauter. Ich fahre rechts ran und schaue nach. Er ruft: „Jacke aus, Jacke aus!“ Schnell schnalle ich ihn ab, … „raus aus Sitz“ sagt er und ich befolge seine Anweisungen. Da steht er neben mir, zieht seine Winterjacke rasend schnell aus, wirft diese auf den Boden! Ich bin verwirrt. Er? Weint nicht. Nein. Er grinst mich an. Ich bin immer noch verwirrt. Er sagt: „Neue Jacke anziehen!“
Ich bin überfordert. Hat er das gerade wirklich gesagt? Ich handle schneller als ich denken kann und ehe ich mich versehe, sitzt der kleine Junge in seiner Dinosaurier-Jacke in seinem Autositz und ….schläft. Mit einem unglaublich zufriedenen Grinsen.
Ich war total beflügelt von meinem Glücksgriff „Dinosaurier-Jacke“…. bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel:
DER KLEINE JUNGE WIRD AB MORGEN (MITTEN IM WINTER), FÜR IMMER, MIT SEINER FRÜHLINGSJACKE IN DIE KITA GEHEN.

Donnerstag, 16. Januar 2020

KiTa-Abholzeit, es ist soweit!


Selten, sehr selten liegen das größte Mutterglück und die pure Mutterverzweiflung so dicht beieinander wie zur Abholzeit in einer KiTa. Eine KiTa ist ein magischer Ort. Frei nach dem Motto:
„Was in der KiTa passiert, bleibt in der KiTa.“ Zusätzlich frei nach dem Motto: „Du bist nicht mehr du selbst.“ Und das gilt wohl für Alle. Mütter, Erzieher, Kinder. Irgendwie sind da alle anders. Und schmeißt du dein Kind als dein Kind in diesen mysteriösen Raum, so holst du es ab als eine Überraschungstüte. Spannend. Unglaublich spannend……Wenn man denn auf Spannung und Überraschungen steht. Nun denn beginnen wir vorne und vorne ist da wo das größte Mutterglück beginnt. Den ganzen Morgen, ja quasi den ganzen Tag freue ich mich auf diesen einen Moment. Das ist DER Moment des Tages und den hat mir bitte keiner kaputt zu machen. Ja, auch nicht jemand, der mich mittags aufhält, oder vor mir zu langsam fährt, sodass ich es nicht pünktlich in die KiTa schaffe. Es ist der Moment, in dem sich mittags die Tür der Krippengruppe des Sohnes öffnet. 15 kleine Kinder stürmen mit großen, erwartungsvollen, suchenden Augen in den Flur. Jedes Kind sucht in der Menschenmenge seine Mutter. Und nach verwirrtem hin- und her schauen haben die Augen meines Jungen mich gefunden. Er strahlt, ruft „Mama“ und rennt so schnell er kann in seinem Pinguingang in meine Arme. Er drückt sich an mich und ist mit sich und der Welt im Reinen. Er hat mich wieder. Seine Mama kommt, um ihn abzuholen. Und ich habe ihn wieder. Meinen kleinen Sohn, den ich für mein Dafürhalten viel zu lange von mir weggebe. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Und ich weiß, dass es jeder Mutter in genau diesem Moment so geht. Nicht umsonst stehen um kurz vor 12 schon viele viele Mütter bereits nervös im Flur und warten auf ihr Kind.
So genug der Gefühlsduselei. Dann beginnt der Ernst des Lebens. Der Kampf ums Überleben, denn schließlich gilt es ab nun mit zwei tickenden Zeitbomben zu hantieren. Bescheuertes Wagnis. Und eins hab ich gelernt…. Es ist egal welches Kabel ich durchschneide, die Bomben explodieren. Entschärfung ausgeschlossen. Mein Motto: Irgendwie unbeschadet da durchkommen. Ach ja und: Contenance! Lächeln…. Und nett aussehen. Das Motto der Kinder: Mama ganz und gar nicht unbeschadet dadurch bringen. EXPLODIEREN, ESKALIEREN.
Nachdem ich also den schönsten Moment des Tages mit meinem Sohn erlebt habe und wir die Welt um uns herum für 1 Minute vergessen, geht es los:
Ich ziehe ihn an (noch auf seiner Krippenseite der KiTa), dann durchschreiten wir das Tor des Grauens: Es geht zur Kindergartenseite, auf der sich die Tochter befindet. Während ich vorsichtig zur Tür schreite, um das Mädchen zu begrüßen… driftet der Junge das erste Mal ab und spielt mit älteren Kindern. Das ist zunächst gut und verschafft mir wertvolle (leise) Zeit bei der Tochter.
Während ich auch von ihr noch vor einigen Wochen freudig begrüßt wurde, werde ich nun meist mit Sätzen a la: „Was willst du denn hier?“, oder „Nöööö, ich mal noch.“, empfangen. Das ist schonmal eine super Basis, wenn die motivierte Mutter von heutzutage doch plant den Laden möglichst zügig und auch möglichst unauffällig zu verlassen. Der Junge nähert sich derweil an und während ich noch versuche mit der Friedenspfeife in der Hand das Mädchen von meiner Sicht der Dinge zu überzeugen, schleicht er an uns vorbei und ist verloren. ER ist verloren, ich bin verloren , wir alle sind verloren, …. Im Spielparadies (der Hölle) Kindergarten. Ein Ort, aus dem ein 2-Jähriger sich niemals ohne Widerworte entfernen lassen wird und schonmal gar nicht mein 2 -Jähriger der Wutanfälle und Jähzornigkeit in Perfektion beherrscht.
Nun denn, ich diskutiere mit der Tochter. Sich selber anziehen ohne Diskussion und Streit gerade undenkbar, ich wähle also den leichten Weg und ziehe sie (wenn auch gegen ihren Willen) an . So. Die Kinder sind angezogen. Wir könnten dann jetzt gehen.
Tun wir aber nicht. Ich versuche den Jungen aus der Hölle zu entfernen. Dies kommt dem Durchschneiden gleich beider Drähte der Bombe gleich! ALARM! Ich trage ihn schreiend heraus, schließe die Tür des Raumes hinter mir. Das Mädchen ist weg. Ich suche es. Es versteckt sich im Zelt und siehe da. Die Jacke hat sie nicht mehr an. Die Mütze ist auch verschwunden. Ich setze den, immer noch weinenden Jungen, ab und suche nach Jacke und Mütze…. Ich werde schnell fündig und ziehe es dem Mädchen ein zweites Mal an. Der Junge liegt demonstrierend auf dem Boden. Die erste Mutter fragt mich, warum mein Kind denn wohl weinen würde. Ich reagiere freundlich. Ich schnappe mir zwei Kindergartentaschen, 5 gemalte Bilder, 2 gebastelte „Irgendwas“ , 4 Kraken (3 vom Mädchen, 1 vom Jungen), zwei Schnuller, zwei Sonnenbrillen, 2 Regenschirme (ja, sinnlos, ich weiß, aber ohne diese Utensilien hätten wir es leider morgens nicht mehr pünktlich hin geschafft) und meinen Autoschlüssel. Achja. Hatte ich schon erwähnt, dass ich, egal wie kalt es ist, ohne Jacke in das Gebäude gehe? Die ganze Abholaktion bringt mich derart ins Schwitzen, dass eine Jacke purer Mord wäre. Zudem wäre es zusätzlicher Ballast, welcher zum Auto manövriert werden müsste. Das Mädchen steht bockig an der Tür und erklärt, dass es nur gehen würde, wenn es selbst den Knopf drücken dürfe.
(TÜRSUMMER an KiTa -Türen wurden nur aus einem einzigen Grund erschaffen: Sie sollen Eltern das Leben schwer machen. Wie soll man bitte mit Kind, oder noch besser zwei Kindern, Taschen, Rümpel, bla,... den Summer mit einer Hand betätigen und die Tür dann mit der anderen Hand öffnen?! Richtig. GAR NICHT!)
Also drücke ich den Summer das erste Mal, schmeiße Taschen und Gerümpel in den Vorflur der KiTa, hebe dann Kind 1 hoch zum Summer…… und siehe das es drückt den Summer nicht, sondern beginnt zu weinen, weil es ihren Erzieherinnen noch nicht „Tschüss“ gesagt hat….
Ich setze es ab, es rennt fort. Ich warte.
Es kommt wieder. Ich hebe es erneut hoch zum Summer, öffne die Tür und stelle es ebenfalls zu den Taschen in den Vorflur. Tja und dann ist da ja noch Kind 2. Denn wie der Zufall es so will, steht neben der Ausgangstür ein Autotisch. Ist total klasse. Ein Tisch also, mit Autos. Junge und Autos. Untrennbar. UNTRENNBAR!!! Die Autos gehören aber nun mal nicht dem Jungen, sondern dem Kindergarten. Man muss das Untrennbare also trennen und das bringt das Fass derart zum Überlaufen, dass Erzieherin 1 sichergeht, dass alles in Ordnung ist, während Mutter 2 und 3 fragen, warum mein Junge denn wohl so herzzerreißend weinen würde. Wie dem auch sei. Ich lasse ihn brüllend den Summer drücken, hieve ihn in den Vorflur, zu dem Rest. Er schmeißt sich theatralisch auf den Boden und schreit. (Jeden Mittag) Tja und da steh ich. Gute 30 Minuten sind derweil vergangen. 99 % Der abholenden Mütter sind in der Zwischenzeit rein und wieder raus und an uns vorbei und ich krieg es irgendwie nicht so richtig hin. Was solls!? Lächeln und nett ausschauen ist die Devise. Und dann kommt mir der Spruch einer Mutter in den Kopf, den ich vor ein paar Tagen gehört habe : „Du hast es total gut! Es ist ja sicherlich sehr praktisch, wenn man zwei Kinder gleichzeitig in die gleiche Einrichtung bringen kann.“  Innerlich lach ich mich kaputt….., bringe die Tochter ins Auto, dann die Taschen und das Gerümpel und dann habe ich wieder genug Energie mich dem kleinen , trotzigen Jungen zu widmen , der mir doch ein paar Minuten zuvor die schönste Minute des Tages beschert hatte.


Mittwoch, 20. November 2019

Von der Effektivität einer Frau



Wann bin ich eigentlich im Kopf so „gaga“  geworden?! Stimmen die Gerüchte tatsächlich? Werden Frauen komisch, wenn sie Kinder bekommen bzw. haben?

Folgendes Szenario ereignete sich vor wenigen Minuten:
Beide Kinder waren beschäftigt! Der Junge schlief, das Mädchen schlief auch …. Also nicht richtig, mehr so geistig. Mit anderen Worten: Sie schaute TV.
Und was macht man da als Mutter? Ganz einfach: Man kriegt Panik, weil man ganz viel in ganz kurzer Zeit erledigen will, um dann noch wenige Minuten auf dem Sofa Pause machen zu können.

Man versucht wahnsinnig effektiv zu arbeiten und was soll ich sagen? Man ist ,jedes Mal, sowas von uneffektiv!!!!!

Hochmotiviert ging ich an die Sache, schließlich wollte ich nur den übriggebliebenen  Pfannkuchenteig verarbeiten und kurz aufräumen. Das sollte schnell zu schaffen sein. Eine kleine Mittagspause schien heute in Aussicht.
Ich stellte die Pfanne auf den Herd, befüllte sie mit Öl, machte den Pfannkuchenteig direkt rein, um Zeit zu sparen und auf die Toilette zu gehen. Dann stellte ich den Herd an. Auf dem Weg zur Toilette, fiel mir mein Smartphone in die Hände. Abgelenkt durch ein, zwei Nachrichten tippte ich dann vor mich hin, um dann bei dem Schlagwort „Versicherung“ was in einer Nachricht vorkam, geistesgegenwärtig daran erinnert zu werden, dass ich bei der Versicherung anrufen wollte. Gesagt getan. Telefonat erledigt, weiter ging es zur Toilette. Bei der Toilette angekommen, kam mir der Blitzeinfall, dass diese mal wieder geputzt werden müsste. Ich lief zum Hauswirtschaftsraum, um Putzutensilien zu holen. Im Hauswirtschaftsraum angekommen, bemerkte ich Pfandflaschen, die dort sicher nichts zu suchen hatten. Also schnappte ich die Pfandflaschen, warf sie in den dafür vorgesehenen Behälter und widmete mich dem Putzschrank. Ich suchte…. Toilettenreiniger. Vergebens! Glasreiniger, Glasreiniger, Glasreiniger. Gut …dachte ich mir, das tut es auch. Aber ich war empört. Drei angebrochene Flaschen Glasreiniger. Wer tut denn sowas? Ist ja auch Platzverschwendung sondergleichen. Ich schraubte bei allen Flaschen den Sprüher ab, schüttete alle drei Reste in eine Flasche, stapfte in die Küche und entsorgte die anderen beiden Flaschen im Plastikmüll. Also fast….. Die Tonne für den Plastikmüll war voll. Ich wechselte also den Müllbeutel, brachte den vollen Müllsack in die Garage und entsorgte dann die Plastikflaschen vom Glasreiniger. Weiter sollte es gehen. Ich ging zurück in den Hauswirtschaftsraum. Brauchte schließlich noch einen Putzlappen. Ich öffnete den Schrank und stellte fest, dass da kaum noch Putzlappen sind…. Das konnte ich nicht begreifen und lief zum Wäscheständer, um zu überprüfen, ob alle weiteren Lappen sich dort befanden. Und genau so war es. Der Wäscheständer war voll mit trockener Wäsche. Ich nahm sie ab und schnappte mir dann einen Lappen, um schließlich die Toilette aufzusuchen. Dort begann ich mit Glasreiniger zu putzen…..


Plötzlich ging der Rauchmelder los!

Mittwoch, 13. November 2019

Und wieder ein Spaziergang!


16:30 Uhr, Herbst, kein Regen,
Zwei übermüdete Kinder ohne Mittagsschlaf,
eine läufige Hündin (läufige Hündin= laufen ohne Leine nicht möglich),
ein Buggy,
ein Regenschirm und
zwei hochmotivierte, erwachsene Frauen…:

Aus diesen Parametern ergibt sich: Ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.
Ein Unterfangen, was in der Theorie wieder einmal so romantisch klang. „Ein kleiner Spaziergang.“ Es sollte sich wirklich um einen kleinen Spaziergang handeln. Einen Kilometer genau. Das ist nichts. Eine Erwachsene Person braucht dazu höchstens, also allerhöchstens 15 Minuten. Tja. Mit oben genannten Parametern zieht sich sowas durchaus hin zu einer Stunde. Über diesen Umstand darf man einfach nie nachdenken. Immer wenn ich mich frage, wo die ganze Zeit hin ist, ist eine Antwort: Auf Zeitlupen-Spaziergängen mit Kindern hängt sie, meine ganze Zeit. Sie sitzt neben den bockigen Kindern auf den Mauern von Hauseinfahrten…. und will nicht weiter.
Das Wetter war gut und diese Tatsache stellte die erste Hürde da.Die Tochter wollte ihren Regenschirm ausprobieren. Der Regen kam auch während des Laufens nicht, die Frustration hingegen schon. Mehr muss man dazu nicht sagen. Der Sohn war von dem gesamten Unterfangen nur so mäßig begeistert und das hätte diese zwei hochmotivierten Frauen (Meine Mutter und mich) als Warnsignal werten sollen. Haben sie aber nicht.
Kinder anziehen (20 Minuten), Junge in Buggy, Mädchen (mit Regenschirm) an die Straße, Hund an die Leine, los ging es.  Meine Mutter wollte den Buggy schieben und der Junge quittierte das sofort mit seinem bitzigen: „Nein, Mama!“ Tja und so schob die Mama den Buggy und der Hund zog die Mama. Die Oma möchte nicht von dem Hund gezogen werden und dem zu Folge bleibt der Hund stets an der Mama hängen. Hochmotiviert, ja wirklich hochmotiviert starteten wir. Dass die Tochter nach geschlagenen 5 Metern (Ja ich denke es war noch vor unserem Vorgarten) behauptete, dass sie nicht mehr könne, ignorierten wir, dummerweise. Meine Mutter begann das lustige „Ein Hut, Ein Stock, ein Regenschirm“-Spiel und zunächst war alles okay. Nach einer Weile schlug die Tochter ein Wettrennen vor, den Regenschirm musste sie dazu natürlich loswerden…. an mich…, der Junge begann zu zappeln und erklärte, dass er den Buggy verlassen wolle. Gesagt getan. Beide rannten, ich schob den Buggy, den Regenschirm und hielt den Hund. Ein Buggy, ein Hund, ein Reeeeegenschirm. Vorwärts, rückwärts, Seitwärts, ran! Meine Mutter betrieb Schadensbegrenzung: Keiner rannte letztlich in einen Schlot , kam vom Weg ab oder fiel hin.
Jetzt mag man denken wir seien weit gekommen. Erwiesenermaßen hatten wir zu dem Zeitpunkt genau die Hälfte des Weges geschafft. Und dann ging es los:
Die Tochter stand vor mir: „Schultern?“ Ich erklärte, dass ich sie nun nicht besonders gut auf die Schultern nehme könne, mit Hund und Buggy. Empört entschied sie sich dann für eine Fahrt mit dem Buggy. Ich erklärte, dass große Mädchen, wie sie, gar nicht mehr angeschnallt werden müssen in so einem Buggy. Glatte 10 Meter weiter fiel sie im hohen Bogen aus dem Buggy und war dem entsprechend launisch. (Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher wie genau das passieren konnte. Ihrer Schilderung nach, war es definitiv meine Schuld.)Ich setzte sie erneut in den Buggy, SCHNALLTE SIE AN, fuhr ein paar Meter. Der Junge rannte noch ein bisschen und stellte dann mit Bedauern fest, dass sein Buggyplatz besetzt war, den er eigentlich nicht haben wollte, aber laufen wollte er auch nicht. Und wo er grad dabei war wollte er sowieso gar nichts mehr. Wütend stampfte er auf mich zu und sagte seine süßen Worte: „Armiiii, Armiii!“, was so viel heißt wie: "Nimm mich bitte auf den Arm und trag mich bis ich 18 bin." Oder so ähnlich. Ich erklärte, dass ich ihn nicht tragen könne, aber er könnte auf meinen Schultern sitzen. Meine Mutter könnte dann die Tochter im Buggy schieben. Guter Plan. Ich hob den Jungen auf die Schultern, er zappelte sich wieder herunter: „Armiii!“ Ich blieb hart. Er wurde sauer und plädierte auf den Buggy. Die Tochter plädierte jedoch auf gleiches Objekt und ein handfester Streit brach aus. Die Tochter stieg letztlich aus und …Überraschung: Der Junge NICHT ein. Beide liefen. Wahllos, planlos, orientierungslos. In Auffahrten, in Vorgärten, überall, nur nicht in die richtige Richtung. Tja und plötzlich, wer kennt es nicht…, setzte die Tochter sich auf die Bordsteinkante und erklärte den Streik. Der Junge tat es ihr gleich und da saßen sie…. Meine Kinder. Wir versuchten es lange diplomatisch, wir diskutierten und versprachen. Wir hofften und flehten. Nichts. Es ging nicht voran. Letztlich bot ich der Tochter also doch die Schultern an, während der Sohn mit dem Buggy vorlieb nehmen sollte… aber nicht wollte. Er rannte weg. Meine Mutter hinterher. Die Tochter hatte noch kluge Worte im Gepäck. Worte über die Sinnlosigkeit seines Verhaltens. Worte über die Taten des kleinen Jungen, die sie als große Schwester und überhaupt großes Mädchen, quasi erwachsene Frau, nicht nachvollziehen könne,
ja ne, ist klar!?
Als meine Mutter den Jungen gefangen hatte, setzten wir ihn schließlich in den Buggy, und das Mädchen nahm auf meiner Schulter Platz. In meiner Hand der Hund. Der Junge schrie seine Wut durch die Nachbarschaft. Der Regenschirm, auf dem Buggy wackelte bedenklich. Wir erhöhten unser Tempo maßgeblich, was durchaus einige Herausforderungen bedeutete. Alle zwei Meter hielt die Tochter mir wahlweise die Augen zu oder wischte mir die Haare vor die Augen. Einfach war es nicht aber das Schreien des Jungen setzte uns so unter Druck, dass wir mächtig Strecke machten.
Plötzlich fiel mir auf, dass der Junge keinen Schnuller mehr bei sich trug.: Neeeeeeeein! Wir hatten ihn verloren. Seinen Schnuller. Und er nimmt nur diesen einen Schnuller. Den Schnuller mit einem Auto drauf. Das war wirklich der Worstcase, in den wir uns da gebracht hatten! Umkehren unmöglich und einfach ohne Auto-Schnuller weitermachen, auch unmöglich. Wir entschieden uns dazu weiterzugehen und das Geweine des Jungen exakt so lange zu ertragen, bis einer von uns den Drogerie-Markt anfahren würde, um einen neuen Auto-Schnuller zu besorgen. (Die Zukunft zeigte, dass der Junge erstens Ausdauer hat und zweitens das Wort „Auto-Nulli“ verdammt gut sagen kann.)
Genau in diesem Augenblick fuhr eine Freundin in ihrem Auto an uns vorbei, sie winkte freundlich:
Ich: eine Hand an der Leine des Hundes, eine Hand am Bein der Tochter. 90 % meiner Haare und dazu noch eine Hand der Tochter im Gesicht, schreien in den Ohren, ein womöglich genervter Gesichtsausdruck.
An die Freundin die vorbeifuhr, lass dir gesagt sein:
Ich wollte zurückwinken, ich habe es nur irgendwie nicht rechtzeitig geschafft. 😊




Dienstag, 29. Oktober 2019

Ein (ganz normaler) Morgen



Bei uns beginnt jeder Morgen irgendwie gleich. Die Uhrzeit spielt dabei keine Rolle, denn die Erfahrung zeigt, dass es egal ist wie spät es ist,
………es ist zu spät.
Die Kinder wachen also irgendwann auf, spätestens von dem Klingeln meines Weckers und dann, spätestens dann, geht die große Wanderung los. Die Kinder stapfen in unser Schlafzimmer, mit Decken, Kissen, Schnullern und Kraken bewaffnet, um sich in unser Bett zu legen. Für die Kinder bedeutet der Wecker demnach nicht „aufstehen“, sondern, „weiterschlafen in einem größeren Bett, mit mehr Leuten und weniger Platz.“ Da liegen wir nun also: Zu viert. Ach, ne zu Fünft. Der dicke Hund hat sich als Welpe mal ins Bett geschlichen und den Platz seitdem nie wieder geräumt. Das ist tragisch, denn er gleicht mittlerweile eher einem Schwein, als einem süßen Hundewelpen und schon hat man den Salat: 1/3 weniger Platz im Bett. Jedenfalls liegen wir 5 da. Und kuscheln und schlafen und sind wirklich glücklich, weil es wirklich gemütlich ist. Ja und manchmal wird dann noch Kakao ins Bett geholt und der Fernseher wird angemacht, ja ich weiß, Rabenmutter und so, aber es ist halt verdammt gemütlich. Dies geht dann eine ganze Weile so, bis ein völlig abgedroschener, plakativer Spruch an Bedeutung gewinnt:
„Ich habe so lange ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe.“
Er sagt alles aus, was man wissen muss.
Da mir diese Minuten am Morgen so kostbar sind, erledige ich, wenn möglich, alles am Vorabend.
Ich dusche, wasche/dusche die Kinder, lege Sachen für mich heraus, überrede die Kinder Kleidung für sich heraus zu legen, bereite alles vor, dass ich morgens zügig die Brotdosen bestückt bekomme, stelle mein Müsli parat usw. usw. Ich bin ein Künstler im abends vorbereiten.  Wie dem auch sei:
Irgendwann springen alle panisch auf. Naja Nicht Alle: Eigentlich nur der Mann und ich. Die Kinder verstehen den Sinn des Aufstehens nicht und der Hund bleibt eh da liegen. Meist bis mittags, bis alle wieder nach Hause kommen. Der hat ein Leben….
An diesem Morgen war sogar bei den Kindern die Motivation gegeben in die KiTa zu fahren. Das war ein großer Vorteil und verschaffte auf dem Weg nach unten schon einmal Zeit. Nun musste aber alles super schnell gehen.  Ich schlüpfe in meine Klamotten, hetze nach unten mit dem Jungen auf dem Arm, die Tochter trottet hinterher. Der Mann ebenfalls.
Ich renne Richtung Ankleidestation der Kinder… der Mann nicht. Ich höre ein „Pling“. Ok, er macht die Bluetooth-Box an. Unpassender Zeitpunkt. Wir haben Zeitdruck. Zack: Chillige Reggea-Musik tönt durchs ganze Haus. Durchs gaaaanze. Der Mann hört neuerdings auf einem Ohr nicht mehr so gut. Das ist ein Problem, was nicht zu verachten ist.
Ich verstehe die Kinder kaum und beginne den Anzieh-Wahnsinn. Der Mann? Geht duschen.
Nach empirischen Erforschungen, welche Reihenfolge des Anziehens der Kinder mehr Sinn macht, ist das Ergebnis ernüchternd. Die erforschte Regel lautet: Ein Kind schießt immer quer.  Ich entscheide mich heute für die Tochter. Schlafanzug aus, Unterhose an, Hemd an, Socken an. Das sind die einfachen Dinge: Nun kommt der Knackpunkt. Sie sieht das am Abend zuvor SELBST AUSGEWÄHLTE Kleid und sagt: „Nein, das zieh ich nicht an.“ Ich bleibe konsequent und überwinde diese erste Hürde zügig. Sie zieht das Kleid an. Nächste Hürde: Hose. Sie entscheidet sich (diesmal vehementer) gegen die ausgewählten Leggins. Ich versuche es erfolglos mit guten Worten. Ich versuche es erfolglos mit nicht ganz so guten Worten. Das Mädchen rennt weg. Der Junge liegt, warum auch immer, unschuldig auf dem Boden neben mir. Die Chance nutze ich. Schlafanzug aus. Großes weinen. Junge weg.  Der Mann kommt rein, Musik-Box in der Hand. Er fragt die Kinder nach ihrem Lieblingslied und da kommt es auch schon. Der Text: „Emma die Ente, die ewig verpennte, hatte Probleme mit der Zeit.“, könnte passender nicht sein. Ersetze „Emma“ durch „Ela“ und es ist perfekt. Nun denn. Die Kinder tanzen. Der Mann auch. Okay. Soviel Zeit muss sein, ich auch.
Wir vier tanzen zu viel zu lauter Kindermusik bei akutem Zeitmangel, morgens durchs Haus. Das muss Familien-Glück sein, denke ich.
Als die Musikbox sich nach Emma der Ente verselbständigt und mit Helene Fischer weitermacht, entsteht akuter Brechreiz, nein, nicht nur bei den Erwachsenen. Die Kinder finden es auch auf Anhieb uncool und die Stimmung verfinstert sich leider wieder. Aber es muss weitergehen.
Der Mann schnappt sich den Jungen, ich mache bei dem Mädchen weiter. Ein Wettkampf entsteht. Die Frage lautet: Welches Kind ist schneller fertig. Bei beiden Kindern gibt es klare Stolpersteine auf dem Weg, deshalb ist der Rückstand, den der Junge momentan dadurch aufweist, dass er noch nackt ist, während das Mädchen schon fast fertig ist, nicht aussagekräftig. Bei dem Mädchen kommt zu der fiesen Hose noch die tägliche Haartüdelei hinzu, die eines hohes Konfliktpotenzial aufweist. Der Junge hingegen ist generell wie eine tickende Zeitbombe. Da könnte jede Handlung zur Niederlage des Mannes führen. Spätestens jedoch, wenn er eine Jacke anziehen soll, dürfte ich das Rennen für mich entscheiden können.
Das Rennen beginnt und, was soll ich sagen? Wir bekleckern uns beide nicht mit Ruhm. Als das Mädchen gänzlich in Tränen ausbricht, weil eine kurze Hose nach einer Nacht mit Frost , nicht die richtige Wahl ist, werfe ich einen Blick rüber zum Jungen, der gerade dabei ist jegliche Fassung zu verlieren, weil er kein Oberteil anziehen möchte. Er gestikuliert wild vor sich hin und ruft immer wieder „nein“. Tja. 5 Minuten später sieht man zwei weinende, schreiende Kinder und zwei abgehetzte Erwachsene. (Der Mann könnte sich das Duschen morgens einfach sparen. Das Anziehen der Kinder kostet Schweiß!)
Jetzt ist auch, wie immer, jener Zeitpunkt erreicht, an dem es rein zeitlich sinnvoll wäre, los zu fahren. Bis zum Losfahren verstreichen jedoch noch 10 weitere Minuten. Mindestens. 
Nach einem langen Kampf geht keiner als Sieger hervor.
 Naja, doch irgendwie schon: Wir Eltern haben gewonnen: Das Mädchen geht nicht ungekämmt, trägt keine kurze Hose, trägt keinen Rock unter dem Kleid, hat keine Sandalen an und trägt eine Mütze, sowie einen Schal. Der Junge trägt ein Oberteil, hat keine Stiefel an, trägt nicht seine dünne Sommerjacke.
Ja, das waren ja sogar noch recht wenig Diskussionspunkte.
Ich sprinte schnell in die Küche und mache die Brotdosen startklar. Diese stopfe ich in Windeseile in die Taschen.
Zu zweit bringen wir dann die Kinder zum Fahrradanhänger. Die Motivation der Kinder hält sich in Grenzen, keiner ist gewillt einzusteigen. Dann bemerke ich etwas Entscheidendes: Ich habe mich noch nicht fertig gemacht. Kleidung trage ich. Das ist schonmal gut. Aber das Bad hat mich noch nicht von innen gesehen. Ich stürme los ins Bad, der Mann setzt die Kinder in den Hänger. 1,2 Minuten. Rekordzeit. Es kann los gehen zur KiTa und dann zur Arbeit und dann wieder zur Kita……
Naja. Morgen wird es besser. …….
Oder auch nicht. 😊

Freitag, 20. September 2019

Die riesige Spinne!


Wer mich kennt, weiß dass ich in einem Punkt einem weiblichen Klischee entspreche. Nämlich dem Klischee der arachnophobischen Frau. Ja. Ich habe Angst vor Spinnen, wie wahrscheinlich jede Frau Angst vor Spinnen hat. Naja, oder jeder Mensch. Denn wenn jemand keine Angst vor Spinnen hat, scheint es kein Mensch zu sein. Oder irgendwas stimmt da nicht. Wie dem auch sei. Ich habe nicht nur ein bisschen Angst…. Ich drehe förmlich durch. So kam es bereits nicht nur einmal vor, dass ich bei der Anwesenheit einer Spinne und gleichzeitiger Abwesenheit des Mannes weinend auf dem Flur saß und meine Mutter her zitierte, um das Problem zu lösen. Problem lösen heißt übrigens TÖTEN und mir die Leiche präsentieren! Erst der Anblick des getöteten Monstrums verschafft in mir Erleichterung und die Gänsehaut verschwindet! Ein solches Problem ist nicht gelöst, wenn das Tier gefangen wird und draußen wieder ausgesetzt wird. Das ist krank, ihr Hippies. Es geht auch nicht einfach nur zu sagen, dass man die Spinne getötet habe und dann wird keine Leiche präsentiert. Der Akt der Tötung wird bei mir sofort als glatte Lüge betrachtet, wenn es keine Leiche gibt. Das Problem ist auch nicht gelöst, wenn man eine Spinne aufsaugt. Das ist doch wohl ganz klar. Riesen-Spinnen klettern ganz einfach wieder zurück und man kann sich nicht sicher sein wann das passiert und schon macht dieser Staubsauger es eigentlich nur noch schlimmer. Die einzige passende Lösung hierzu wäre den Staubsauger, nach dem Einsaugen der Spinne zu verbrennen. Auch blöd, hm? Und auf Dauer ganz schön teuer. Da gelobe ich mir meine Mutter. Nach altmodischer Methode und mit jahrelanger Erfahrung zieht sie gekonnt ihre Haussandale aus und kloppt einmal gezielt auf so ein Monster ein. Dann sammelt sie das gute Stück mit einem Papiertuch auf und präsentiert es mir. Mit den Worten: „Die ist tot, sowas von tot“, entsorgt sie die Spinne im Müll. Und mir geht’s super.
Bei mir geht das ganze sogar soweit, dass ich seit 4 Jahren unseren Keller nicht mehr betreten habe. Denn wer weiß es nicht, … wer wohnt da? Richtig. Alles. Auch Spinnen. Das Ganze ist nicht weiter schlimm. Mein Mann nutzt den Keller, um seine Messi-Veranlagung auszuleben und ich blende den Teil des Hauses einfach aus. Fertig. Es kommt nur zu Problemen, wenn sich einmal im Jahr Schornsteinfeger und Strom-/Gasablese-Menschen da nach unten verirren möchten. Ich erkläre den Leuten den Weg und dann verschwinde ich ins Wohnzimmer und hoffe, dass sie es überleben. Ja, das Ganze ist mir jedes Mal etwas unangenehm. Es könnte schließlich sein, dass die Sammlungen des Mannes den Keller und mittlerweile auch den Auf- und Abgang dahin derart blockieren, dass die Beinbruchgefahr für die jährlichen Besucher enorm hoch ist. Aber ich schlage mich wacker und schmetter jedes Jahr aufs Neue meinen Satz dahin: „Entschuldigen sie, ich war seit …. Jahren nicht mehr im Keller.“ (Die Punkte müssen durch die jeweilige Jahresanzahl ersetzt werden. Versteht sich.)

So. Nun ist es, wie mancher weiß, seit ein paar Jahren so, dass ich Kinder habe. Wenn man Kinder hat wird ja vieles komplizierter. Unter anderem die Sache mit den Ängsten. Man ist ja stets bemüht die Ängste den Kindern nicht zu übertragen. Also wirklich stets bemüht. Als Mutter lügt man sich einen zurecht, da wird’s einem übel. Aber das steht auf einem anderen Blatt Papier.
Was soll ich sagen? Nach der 3. Spinne hatte meine Tochter verstanden, dass mein : „Ooooch , die sind doch gar nicht schlimm, da musst du doch keine Angst haben. Die tun ja nichts usw. usw.“ sowas von gelogen waren. Na gut. Ich trug es mit zitternder Stimme und Schweißperlen auf der Stirn vor, aber dennoch. Ich gab mir Mühe.
Wie dem auch sei: Vergebens. Bei der dritten Spinne… hatte jenes betroffene Objekt eine Größe erreicht, da waren Hopfen und Malz verloren und die damals zweijährige Tochter und ich standen sprachlos, weinend im Spielzimmer. Machtlos. Die einzige Lösung: Zimmer verriegeln. Nicht mehr betreten. Warten bis Rettung (der Mann)kommt  und natürlich hoffen, dass sie dann noch da ist, wo sie war.
Schlimm.
Seit diesem Tag haben wir also beide große Angst vor Spinnen. Nur einer hat von dem Taram noch nichts mitbekommen. Der kleine, unschuldige Junge. Der träumt vor sich hin, wenn seine Mutter und seine Schwester die Krise bekommen. Gut so. Wenn wir uns den richtig ran ziehen, kann der uns nämlich noch sehr nützlich werden. Das ist uns längst klar. Und so trug es sich neulich zu.
Der Junge knetete freudestrahlend mit sehr viel Konzentration im Wohnzimmer. Das Mädchen spielte auch im Wohnzimmer. Was genau… weiß man nicht. Ich war in der Küche und machte was, was man halt so macht. Hausmutterkram…oder aber am Handy rumdaddeln. Wer weiß auch das schon?
Jedenfalls ertönte urplötzlich der Schrei der Schreie: „Maaaaaaaaaaaaaaaaaaama! (es ging in Weinen über) Da ist eine riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiesige Spinne.“
Hier sei gesagt, dass ich den Größenverhältnissen der Tochter noch nicht traue und da alles bei rumkommen kann. Entweder ist die Spinne wirklich riesig oder halt eben nicht. Manchmal ist sie auch nur winzig. Aber was rede ich hier? Für Spinnengegner ist einfach jede Spinne riesig.
Tja. Zitternd laufe ich also zum Wohnzimmer und luge nur so ums Eck und frage mit großem Sicherheitsabstand: „Wo denn?“ „Da, unter dem Kissen!“ Neeeeeein. Das ist nicht gut. Gar nicht gut. Unter dem Kissen kann nun alles sein. Ich würde das Kissen niemals anheben, um die wirkliche Größe festzustellen. Ich lief in Richtung des Kissens. Da standen wir zwei nun. Ängstlich schauten wir uns an. Die Antwort auf meine Frage: „Was machen wir nun?“, war mir klar. Unsere Blicke wanderten zu dem kleinen, verträumten Jungen, der freudig knetete und von alle dem schon wieder nichts mitbekam. Das Mädchen antwortete sehr weise: „Eik muss das machen. Er hat keine Angst.“ Brillant.
Ich rief den kleinen Mann. Er kam. „Tja und nun, Kaja?“ „Nun müssen wir ihm erklären, dass er das Kissen anheben muss. Danach muss er schnell mit einem Schuh auf die Spinne hauen.“ Sie ist so klug. Von der optimalen Tötung der Spinnen versteht sie was!
Oh Gott. Das würde nie funktionieren, aber was blieb uns anderes übrig?
Kaja besorgte einen Schuh. (Der Hausschuh des Mannes…. Viel zu groß, aber immerhin viel Tötungsfläche) Sie drückte dem Jungen den Schuh in die Hand. Dann versuchte sie ihm zu erklären, was zu tun ist. Ich stellte mich derweil auf einen Stuhl. Und der Junge? Der schaute nur ratlos. Ich war mir sicher: Er hatte nichts verstanden. Das Mädchen stellte sich auch auf einen Stuhl. Er ging zum Kissen… ließ dabei den Schuh fallen. „Neeeeeeeein“, rief sie. „Kissen hoch, Schuh auf Spinne! Du musst den Schuh festhalten Eik. Damit musst du hauen.“ Er nahm den Schuh, hob das Kissen an! Sie brüllte: „3,2,1, HAUEN EIK!“ Und er? Ließ den Schuh einfach fallen im Nichts und verschwand mit dem Kissen. Da war kein Hauen, kein Töten, Nichts.
Aaaber…. Der aufmerksame Leser fragt sich nun, was ist mit der Spinne. Richtig. Es schien keine Spinne zu geben. Da war nichts. Ich bekam Panik und fing fast an zu weinen. Wenn die riiiiiiiiiiesige Spinne nicht mehr unter dem Kissen war, ja dann war sie nun irgendwo hier. Wir mussten ausziehen. Raus aus dem Haus. Für immer. Ich war dabei durchzudrehen. Die Tochter hingegen stand auf ihrem Stuhl und philosophierte: „Wenn die Spinne nicht mehr da ist, hat sie sich selbst gemordet. Oder sie ist weggeflogen, ich denke Spinnen können fliegen.“
Jaaa genau. Und als ich so vom Stuhl stieg, bewegte sich etwas auf dem Boden, etwas, das so klein war, dass es mit bloßem Auge kaum zu erkennen war. Etwas, das so dünne Beine hatte, wie ein Viertel Haar. Ja es war eine Spinne, aber so eine winzige Spinne hatte ich tatsächlich noch nie gesehen. Ich bat Kaja zu mir: Wir mussten uns bücken um etwas zu erkennen. Also starrten wir auf den Boden: „Kaja, meintest du etwa diese riesige Spinne?“ „Ahhhh da ist sie ja. JA. Das ist sie.“, entgegnete sie. … „Kaja, die ist gar nicht riesig. Warum hast du mich denn gerufen?“, wollte ich wissen.
„Na, ich hab` dich gerufen, weil wir zwei doch Angst vor Spinnen haben!“ antwortete sie.


Soso......